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Auf dem Weg in die „Edel-DDR”

Published in Die News – Das Magazin für selbständige Unternehmer (Stuttgart), June 2008, p. 40

Wenn sich deutsche Unternehmer in öffentliche Debatten einbringen, dann ist das für sie regelmäßig eine Gratwanderung. Äußern sie sich kritisch zu politischen Entwicklungen, wird schnell der Vorwurf laut, sie verträten doch nur ihre eigenen Interessen. Melden sie gar grundsätzliche Bedenken am Zustand des Landes an, kann ihnen das als Undank ausgelegt werden. Eigentlich können Unternehmer bei politischen Äußerungen nicht gewinnen, solange sie sich nicht auf Allgemeinplätze beschränken. So ist es kein Wunder, dass sich die meisten von ihnen lieber ausschließlich ihrem Betrieb widmen als auch der Politik.

Doch manchmal können und wollen auch Unternehmer nicht mehr schweigen. wenn sie die Sorge um die Zukunft des Standorts Deutschland umtreibt. So zum Beispiel der süddeutsche „Schraubenkönig” Reinhold Würth. „Wir werden spätestens 2013 eine rot-rot-grüne Koalition haben”, prophezeite der Milliardär im März in einem Interview. Die Bundesrepublik sehe er in der Gefahr, sich endgültig vorn Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft abzuwenden. „Dann kommt das ganze Folterwerkzeug wieder heraus. Die Erbschaftsteuer wird erhöht, die Vermögensteuer und neue Reichensteuern werden eingeführt Wir befinden uns auf einem geradlinigen Weg in eine DDR-ähnliche Zeit. in eine Edel-DDR”, warnte der Schraubenunternehmer.

Angesichts jüngster Wahlergebnisse und der Abkehr von der Reformpolitik spricht einiges dafür, dass er mit seinem Ausblick Recht behalten könnte. Für Freunde der Marktwirtschaft sind dies wirklich keine guten Zeiten, und Reinhold Würth ist auch nicht der Erste, der den Linksruck beklagt. Aber was können Unternehmer dagegen tun? Im Grunde gibt es für sie nur drei Möglichkeiten. Die erste besteht darin, trotz allem in Deutschland zu bleiben, auch wenn sich Unternehmer durch das gesellschaftliche und politische Umfeld immer stärker eingeengt fühlen müssen. Dazu benötigen sie allerdings auch die Bereitschaft, sich als Kapitalist und Ausbeuter beschimpfen zu lassen. Dass jemand wie Reinhold Würth Tausende Arbeitsplätzen geschaffen hat, zählt nämlich nicht. Verwerflich ist allein, dass er es dabei zu persönlichem Wohlstand gebracht hat. Zu den Grundvoraussetzungen eines Unternehmers zählt heute leider auch eine gute Portion Masochismus.

Wer als Unternehmer keine Lust hat, sich von Politikern regelmäßig beschimpfen zu lassen und mehr als die Hälfte seines Einkommens ans Finanzamt zu überweisen, der kann auch die Konsequenzen daraus ziehen und ins Ausland gehen. Dort bestehen immerhin noch bessere Aussichten, nicht sofort zum Abschaum gezählt und als „asozial” gebrandmarkt zu werden.

Und die dritte Möglichkeit für Unternehmer’? Sie könnten versuchen, etwas an den Verhältnissen zu ändern. Aber dass erfolgreiche Unternehmer sich beklagen, gilt in Deutschland eben als unanständig. Sie haben brav ihre Steuern zu zahlen. allen Regulierungen zu entsprechen, mit Gewerkschaften und Betriebsräten vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, die Umwelt zu schützen, Arbeitsplätze zu schaffen, Ihr örtliche Sportvereine, Museen und Schulen zu spenden und ansonsten den Mund zu halten. Alles andere wird ihnen als Undank gegenüber der Gesellschaft ausgelegt. „Vielleicht sollte er mal ein paar von seinen eigenen Schrauben wieder festziehen (lassen)” war denn auch einer der freundlicheren Kommentare zu Würths Bemerkungen im Internet.

So werden Würths Warnungen vor der Edel-DDR wohl leider ein Einzelfall bleiben. Er selbst dürfte sich zukünftige Äußerungen zur Steuerlast ohnehin verkneifen. Wenige Tage nach dem Interview wurde bekannt, dass gegen ihn ein Steuerstrafverfahren läuft. Mittlerweile wurde er verurteilt.

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