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Intellektuelle Schützenhilfe – Über die Möglichkeiten von Think Tanks

Published in Die News – Das Magazin für selbständige Unternehmer (Stuttgart), July/August 2008, p. 14

Dass Unternehmer sich in öffentliche Debatten einbringen, ist in Deutschland immer noch eher die Ausnahme als die Regel. Das gilt ganz besonders für Familienunternehmer. In anderen Ländern hingegen ist unternehmerisches Engagement in der Politik viel verbreiteter, und zwar auch außerhalb der Parteien. In Großbritannien konnte sich zum Beispiel eine vielfältige Kultur von Denkfabriken („Think Tanks“) entwickeln, die der Politik in der Vergangenheit immer wieder neue Anstöße gegeben hat.

Angefangen hatte alles mit einem Buch, einem Royal-Air Force-Piloten und Geflügel. Aber der Reihe nach. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, kehrten die britischen Soldaten in ein Land zurück, das in den Kriegsjahren große Opfer gebracht und Entbehrungen auf sich genommen hatte. Der Krieg war gewonnen. Daher nun wollte man auch den Frieden gewinnen. Und das ging nur, so dachte man jedenfalls, indem die Wirtschaft streng von oben bis unten geplant würde. Kein anderes westeuropäisches Land flirtete nach 1945 so sehr mit dem Sozialismus wie Großbritannien. Da wurden weite Teil der Industrie verstaatlicht, ein umfassender Sozialstaat eingerichtet und die Position der Gewerkschaften gestärkt — alles nur, um „das Neue Jerusalem“ zu hauen, wie es Premierminister Clement Attlee großspurig versprach.

Doch es gab auch Mahner, allen voran der Londoner Wirtschaftsprofessor Friedrich August von Hayek. In seinem Buch „Der Weg zur Knechtschaft“ legte er dar, warum der Sozialismus eine gefährliche Irrlehre sei. Einer seiner Leser war Antony Fisher, ein früherer Air Force-Pilot. Fisher war von Hayeks Ideen inspiriert und hat ihn um Rat für seine politische Karriere. Aber Hayek hielt nicht viel davon, sondern empfahl Fisher, lieber ein Institut zu gründen, das ökonomische Konzepte gegen den etatistischen Zeitgeist entwickeln sollte.

Aus Antony Fisher wurde im Nachkriegsengland schnell ein erfolgreicher und wohlhabender Geflügelfarmer, so dass er mit einer großzügigen Spende, wie von Hayek empfohlen, das „Institute of Economic Affairs“ (IFA) gründen konnte. Während Großbritannien weiter mit seiner halb-sozialistischen Wirtschaftspolitik experimentierte, wurden im IEA bereits Pläne geschmiedet, wie die britische Wirtschaft wieder zu einer Marktwirtschaft gemacht werden könnte.

Besonders bei einer jungen Unterhausabgeordneten stieß das IEA damit auf offene Ohren. ihr Name: Margaret Thatcher. Spätestens in den 70er-Jahren war Großbritannien zum „kranken Mann Europas“ geworden; Arbeitslosigkeit, Streiks und Inflation hatten die Wirtschaft gelähmt. Aber als Mrs. Thatcher 1979 in No. 10 Downing Street einzog, da lagen die Konzepte für umfangreiche Reformen in Schriften des IEA bereits vor und mussten nur noch umgesetzt werden. So war das IEA die Keimzelle dafür geworden, was als die Thatcher-Revolution in die britische Geschichte eingegangen ist. Heute gibt es in London etwa zwei Dutzend Think Tanks, in denen Ideen für eine bessere Zukunft geschmiedet werden. Ihnen allen ist gemein, dass sie überwiegend von Spenden getragen werden. So unterstützen Unternehmer den politischen Meinungsbildungsprozess wie einst Antony Fisher.

Auch Deutschland würde eine Think-Tank-Kultur gut tun. In einer Zeit, in der die Parteien nur an kurzfristigen Meinungsbildern interessiert sind und das Verständnis der Öffentlichkeit für Marktwirtschaft und Unternehmertran abgenommen hat, könnten sie zu einer Renaissance des wirtschaftsliberalen Denkens beitragen.

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